Variantenmanagement
Aus Wikisapiens
Durchgängige und maßgeschneiderte ERP-Lösungen im Variantenumfeld für die unternehmensindividuellen Prozesse
[bearbeiten] In der Variation liegt die Kunst
Für den mathematisch versierten Experten ist es logisch, für den Laien unvorstellbar und dennoch ist jeder vom Thema Variantenmanagement betroffen. Diese Wissenschaft ist ein zentrales ERP-Thema und dazu braucht es Spezialisten, die dem R/3 noch die letzten Tricks beibringen können.
Mit Variantenmanagement kommt früher oder später jeder in Kontakt: Der Autokäufer bei der Auswahl der sich gegenseitig ergänzenden und ausschließenden Optionen und Erweiterungen, die Hausfrau bei der Planung der Kücheneinrichtung, oder PC-Käufer bei der Bestellung des neuesten Apple Mac Pro. Hierbei warnt Apple nicht ohne Stolz, dass es bei dem nach außen harmlos aussehenden Rechner über vier Millionen möglicher Konfigurationen gibt: „Sie sind der Experte. Mithilfe der verfügbaren CTO-Optionen (Configure-to-Order) für Prozessoren, Grafikkarten, Speichermodule, Festplatten, optische Laufwerke und weitere Funktionen und Komponenten können Sie diesen enorm konfigurationsfreundlichen Mac Pro ganz Ihren Wünschen entsprechend anpassen. Konfigurieren Sie den Mac Ihrer Träume - den Mac, auf den Sie schon immer gewartet haben.“
Träume können aber nur wahr werden, wenn dahinter perfekt ausgeklügelte Software arbeitet. Ein standardisiertes ERP-System wie R/3 und mySAP ERP 200x sind dafür die Basis aber nicht die Lösung. Das Know-how für hochkomplexes Variantenmanagement kommt in der SAP-Community von kleinen, spezialisierten Systemhäusern. Frau Anette Schaarschmidt von der SAE GmbH ist auf das Thema spezialisiert und erklärt ihr Arbeistumfeld folgend: „Das Variantenmanagement umfasst die Abwicklung variierender Produkte oder Dienstleistungen von der Auftragserfassung bis zur Produktion und Rechnungsstellung. Ein funktionierendes Variantenmanagement verwendet geeignete Logiken für die Abbildung, gestaltet anforderungsgerechte IT-Funktionalitäten und verwendet effiziente Methoden im Produktionsprozess sowie in der Logistik.“
„Ziel des Variantenmanagements ist die erfolgreiche Beherrschung der Vielfalt in Produkten und Prozessen. Das bedeutet insbesondere, die mit Kosten verbundene unternehmensinterne Vielfalt zu senken und gleichzeitig die zu Kundennutzen führende externe Vielfalt zu erhöhen. Variantenbedingte Kosten sind ein wesentlicher Anteil der heute oft zitierten „Komplexitätskosten“, erklärt Univ. Prof. Dr. Alfred Taudes von der Wirtschaftsuniversität Wien, Abteilung für industrielle Informationsverarbeitung.
In der SAP-Community reiht sich somit SAE in den Bereich Supply Chain Management (SCM) und Customer Relationship Management (CRM) ein. Weil aber neben den globalen Funktionen eines übergeordneten ERP-Systems auch die Fein- und Detailarbeit enorm wichtig ist. Bleiben Systemhäuser wie SAE auch in einer sich rasche ändernden IT-Architektur für die SAP-Bestandskunden – unabhängig vom Release-Stand – enorm wichtig.
Die vollständige Modellierung eines variantenreichen Produktes mit Materialstamm des konfigurierbaren Produktes, Maximalstückliste, -arbeitsplan, Variantenklasse, Konfigurationsprofil und dem Beziehungswissen (Vor- und Auswahlbedingungen, Prozeduren und Constraints) ist ein komplexer organisatorischer und IT-technischer Prozess, der durch Vertrieb, Programm- und Bedarfsplanung, Kalkulation, Preisfindung, Fertigungssteuerung im Rahmen von SCM zu sehen ist und unter dem Aspekt der Variantenkonfiguration von SAE beleuchtet wird. Experten sprechen hier auch von Life-Cycle Data Management, das aus der Tradition heraus die Steuerung und Verwaltung der Produktdaten während des gesamten Produktlebenszyklus umfasst. Das Life-Cycle Data Management einer SAE stellt eine optimale Umgebung zur Verwaltung von Spezifikationen, Produktstrukturen und deren dazugehörigen technischen Dokumentationen dar, hierbei ist unter anderem auf die entsprechende CAD-Anbindung zu verweisen (Computer Aided Design). Die SAE Eigenentwicklungen nutzen und kommunizieren mit dem SAP- bzw. CAD-Standard. Damit ist die Release-/Update-fähigkeit und eine einheitliche Datenbasis im ganzen Unternehmen gewährleistet. Diese Datenbasis schafft Datensicherheit und ermöglicht Lösungen für ein effizientes Tagesgeschäft.
Professor Taudes verweist somit nochmals auf die nachhaltige Bedeutung des Variantenmanagements und bestätigt damit indirekt die vier Millionen Varianten des Apple Mac: „Verstärkte Kundenorientierung ist eine der wesentlichen Ursachen für die stetige Vergrößerung des Produktspektrums und damit für die höhere Komplexität der Auftragsabwicklungs- und Produktionsprozesse in produzierenden Unternehmen. Die steigende Komplexität in variantenreichen Produkten und Prozessen erhöht die Kosten, welche nur unzureichend den Varianten zugeordnet und i.a. im Markt nicht erlöst werden können.“
Varaintenmanagement ermöglicht eine schnelle und zuverlässige Datenverwaltung innerhalb eines Unternehmens und eine Kooperation mit externen Geschäftspartnern. Die SAE-Software liefert Funktionen und Prozesse für das moderne Life-Cycle Data Management und setzt Schwerpunkte im Produktentwicklungsprozess, stellt die Dokumentenverwaltung, die CAD-Integration, die Produktdaten- und Produktstrukturentwicklung, die Klassifizierung, die Variantenkonfiguration, das Änderungs- und Konfigurationsmanagement dar. In diesem Zusammenhang ist die Kooperation mit dem Kunden wichtiger den je, Frau Schaarschmidt: „Ja, unbedingt damit auch das Beziehungswissen mit seinen Regelwerken übersichtlich und nachvollziehbar bleibt und das zukünftige Änderungsmanagement effektiv funktioniert, muss im Vorfeld des Umsetzen großer Wert auf die analytische Bewertung aller gegenwärtigen und zukünftigen Anforderungen gelegt werden.“
Die unternehmensindividuellen Anforderungen und die unternehmenseigene Wertschöpfung bestimmen die Logik des Variantenmanagements. Auf diese Weise bleiben die Stärken des Unternehmens und die Wettbewerbsfähigkeit erhalten. Die Leistungsfähigkeit einer unter-nehmensindividuellen Variantenlogik und Lösung wirkt sich unmittelbar positiv bei der Datenpflege und im Datenänderungsmanagement aus. Und nochmals ergänzt Frau Schaarschmidt: „Dieses bestimmt letztendlich sämtliche Aktivitäten, sei es die Planung neuer Produktionsverfahren und -abläufe oder die Ausrichtung der logistischen Module im SAP System. Kundenindividuelle Produkte erfordern eben unternehmensindividuelle IT-Funktionalitäten im ERP-Standard.“
In drei Jahren Forschung und Entwicklung hat Professor Taudes und seine Mitarbeiter praxiserprobte Lösungen für eine Vielzahl von Branchen und für die verschiedenen Wertschöpfungsstufen erarbeitet. Als Lösungsbausteine und Integrationshilfen liegen Erfahrungsberichte, Handlungsanleitungen und Softwareprototypen vor, die unter anderem zur Bewertung und Bereinigung von existierenden Variantenspektren dienen. Momentan forscht Alfred Taudes auf der WU Wien und in seinem eigenen Spinn-off Unternehmen prolytic (www.prolytic.com) unter anderem an mathematischen Methoden zur marktorientierten Planung und Steuerung von Supply Chains. Ausgangspunkt der Überlegungen ist die Tatsache, dass es derzeit in der Literatur zwei weitgehend getrennte Entwicklungen zur optimalen Preissetzung gibt: einerseits gibt es eine Marketing-orientierte Strömung, die auf Basis umfangreicher empirischer Erkenntnisse komplexe Nachfragemodelle postuliert. Andererseits gibt es eine Gruppe von Autoren aus dem Bereich Lagerhaltungsmodelle/Supply Chain Management, die auf Basis von Kostenmodellen, die Kostendegression und Supply Chain Interaktionen berücksichtigen, Beschaffungs/Produktions- und Preisentscheidungen simultan optimieren, jedoch ziemlich stark vereinfachte Nachfrageannahmen treffen. Ziel des aktuellen Projekts ist die Entwicklung integrierter Supply Chain/Pricing Modelle, in denen die Dynamik von sowohl Logistik als auch von Marketing betrachtet wird. (Siehe auch E-3 Coverstory April 2006)
Auch für Frau Schaarschmidt ist die Entwicklung auf dem Gebiet SCM, Variantenmanagement und Logistik noch lange nicht abgeschlossen: „SAE hat fundiertes Know-how und jahrelange Erfahrung auf diesem Gebiet. SAP erlaubt mittels kundenspezifischen Prozeduren, mathematische Modelle und Logiken in die Variantenkonfiguration zu integrieren. So sind für die verschiedenen Branchen in den SAE-Lösungen umfangreiche, zusätzliche Funktionalitäten vorhanden. Die SAE nutzt nicht nur die vorgegebenen Funktionalitäten sondern entwickelt für jeden Kunden die passende Logik. Im SAP Standard werden zusätzliche Funktionen integriert, um die Komplexität bzw. die unternehmensindividuellen Anforderungen mit möglichst geringem Aufwand abbilden zu können.
Wichtig bei dieser Arbeit ist die Kompatibilität zum ERP-Weltmachführer, Frau Schaarschmidt erklärt dazu: „Wir sind im SAP System. Es gibt keine Schnittstelle. Wir bewegen uns im SAP-Standard in einer von SAP ermöglichten zusätzlichen Ebene. Unsere weiterführenden Entwicklungen wie das mobile Angebots- und Auftragserfassungstool mit Konfigurations- und Pricing-Ebene kommuniziert ebenfalls mit dem SAP-Standard über eine Standard-Schnittstelle und gewährleistet damit eine Datenbasis und eine einmalige Erfassung.“ Und gleichzeitig kann SAE auch Entwarnung für alle Bestandskunden geben, die von R/3 auf mySAP ERP 200x wechseln müssen: „Das ist das Schönste. Im mySAP ERP 200x bleibt die Variantenlogik gleich, da ja die Bestandskunden ihre Variantenmodelle weiter nutzen wollen!“
Quelle: E-3 Magazin Oktober 2006, Seite 34
Autor: Peter M. Färbinger




